Bewertung der regenerativen Landwirtschaft mit Blick auf Kohlenstoff, Wasser und Ökosysteme

Wie stark kann regenerative Landwirtschaft Umweltwirkungen verändern? Daten aus Deutschland zeigen ein belastbares Potenzial für geringere Emissionen, verbesserte Hydrologie und stabilere Ökosysteme, wenn Bodenfunktionen wiederhergestellt werden. 

Die landwirtschaftliche Produktion ist gleichzeitig Treiber ökologischer Belastungen und stark von deren Folgen betroffen. Zunehmende Dürren, Starkniederschläge und der Verlust an Biodiversität wirken sich unmittelbar auf Erträge und Betriebsstabilität aus. 

Regenerative Landwirtschaft schlägt deshalb eine Verschiebung des Managementfokus vor: weg von der kurzfristigen Outputmaximierung, hin zum Wiederaufbau funktionsfähiger Böden. Die zentrale Frage lautet nicht, ob eine Transformation notwendig ist, sondern wie groß die erreichbaren Umweltgewinne sein können. 

Kohlenstoffdynamik 

Unter Einbeziehung von Boden- und Landnutzungseffekten verursacht die Landwirtschaft rund 12,5 % der deutschen Scope-1-Treibhausgasemissionen. Wichtige Quellen sind Lachgas aus Düngung, Methan aus der Tierhaltung sowie Kohlenstoffverluste durch degradierte Böden. 

Regenerative Landwirtschaft adressiert diese Faktoren vor allem durch: 

  • geringere Bodenstörung
  • dauerhafte Bodenbedeckung
  • vielfältigere Fruchtfolgen 

Gesündere Böden können organischen Kohlenstoff aufbauen, den Bedarf an mineralischem Stickstoff senken und den Einsatz von Maschinen reduzieren. Dadurch sinkt die Emissionsintensität, während sich die langfristige Bodenfruchtbarkeit verbessert. 

Ökonomisch kann Kohlenstoff zudem als potenzielle Erlösquelle an Bedeutung gewinnen. Für freiwillige Märkte werden Preise von etwa 55 € pro Tonne CO₂e bis 2035 diskutiert, vorausgesetzt verlässliche Standards für Messung und Verifizierung sind gegeben. 

Wasserregulierung und Resilienz 

Wie entscheidend Bodenfunktionen sind, zeigt sich besonders in Extremjahren. Die Dürreperioden 2018 und 2019 führten in Deutschland zu landwirtschaftlichen Schäden von rund 7,8 Milliarden Euro. 

Böden mit geringem Humusgehalt weisen häufig eine schwächere Infiltration, geringere Speicherkapazität und erhöhten Oberflächenabfluss auf. Dadurch steigen sowohl Trockenstress als auch Hochwasserrisiken. 

Regenerative Praktiken mit dauerhafter Durchwurzelung und verbessertem Bodengefüge können Wasserhaltevermögen und Grundwasserneubildung fördern. Das strategische Ziel verschiebt sich damit von maximalen Spitzenerträgen hin zu stabileren Erträgen unter klimatischer Unsicherheit. 

Biodiversität und Ökosystemleistungen 

Eine produktive Landwirtschaft ist auf funktionierende biologische Systeme angewiesen. Bodenorganismen steuern Nährstoffverfügbarkeit, Humusbildung und Pflanzengesundheit. Vereinfachte Produktionssysteme können diese Prozesse beeinträchtigen. 

Regenerative Ansätze stärken Ökosystemleistungen insbesondere durch: 

  • breitere Fruchtfolgen und Leguminosen
  • reduzierte mechanische Eingriffe
  • je nach Standort ergänzende Landschaftselemente 

Eine höhere biologische Aktivität über und unter der Bodenoberfläche verbessert Stoffkreisläufe und natürliche Regulationsmechanismen. Dadurch kann die Abhängigkeit von externen Betriebsmitteln langfristig sinken. 

Systemperspektive 

Die kombinierten Effekte auf Kohlenstoff, Wasser und Biodiversität wirken über einzelne Betriebe hinaus. Eine höhere Resilienz kann Lieferketten stabilisieren, Umweltfolgekosten reduzieren und die zukünftige Produktivität sichern. 

Wirtschaftliche Vorteile zeigen sich typischerweise nach einer Übergangsphase, wenn sich Bodenerholung und geringerer Inputbedarf bemerkbar machen. Regenerative Landwirtschaft ist daher am besten als standortspezifischer Transformationspfad zu verstehen, der kontinuierliche Anpassung und Lernen erfordert. 

Um mehr über die Stufen der Implementierung regenerativer Landwirtschaft zu erfahren, lesen Sie den vorherigen Artikel.