Landwirtschaft im Klimawandel neu denken
Extreme Wetterereignisse sind keine Ausnahme mehr. Sie werden zur neuen Normalität für die Landwirtschaft. Da Dürren und Starkregen zunehmen, reicht das traditionelle Ziel maximaler Erträge unter idealen Bedingungen nicht mehr aus. Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in resilienten Pflanzen und gesunden Böden.

Der Klimawandel beeinflusst bereits Ernteerträge
Die Landwirtschaft ist sowohl stark vom Klimawandel betroffen als auch selbst ein Verursacher von Treibhausgasemissionen. In Deutschland verursacht die Landwirtschaft jährlich rund 54,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, was etwa 7 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen entspricht beziehungsweise rund 12,5 Prozent inklusive Landnutzungsänderungen.
Gleichzeitig sind Landwirtinnen und Landwirte zunehmend mit klimabedingten Schocks konfrontiert. Extreme Wetterereignisse wie Dürren und Starkregen haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen und wirken sich bereits heute auf die landwirtschaftliche Produktivität aus. Hitze und Dürre in den Jahren 2018 und 2019 verursachten Ernteverluste von rund 7,8 Milliarden Euro in Deutschland. Zudem haben sich extreme Wetterereignisse wie Starkregen zwischen 2001 und 2020 mehr als verdoppelt.
Warum das Paradigma des maximalen Ertrags nicht mehr ausreicht
Über Jahrzehnte hinweg konzentrierten sich landwirtschaftliche Systeme darauf, unter idealen Bedingungen möglichst hohe Erträge zu erzielen. Konventionelle Landwirtschaftssysteme setzen dabei häufig auf intensive Bodenbearbeitung, synthetische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel sowie vereinfachte Fruchtfolgen.
Diese Praktiken können kurzfristig die Produktivität steigern, schwächen jedoch langfristig die Bodenqualität. Wenn Böden organische Substanz, Biodiversität und ihre Fähigkeit zur Wasserspeicherung verlieren, werden Pflanzen anfälliger für extreme Wetterbedingungen.
Mit zunehmender Klimavariabilität wird dieses Modell immer fragiler. Landwirtschaftliche Systeme, die für perfekte Bedingungen optimiert wurden, funktionieren schlechter, wenn solche Bedingungen immer seltener auftreten. Deshalb muss sich das landwirtschaftliche Paradigma verändern. Statt maximale Erträge in idealen Jahren zu erzielen, geht es künftig darum, stabile Erträge trotz Umweltstress sicherzustellen.
Die wachsende Bedeutung von Ertragsresilienz
Ertragsresilienz beschreibt die Fähigkeit landwirtschaftlicher Systeme, auch unter zunehmend extremen und unvorhersehbaren Wetterbedingungen eine stabile Produktion aufrechtzuerhalten.
Gesunde Böden spielen dabei eine zentrale Rolle. Wenn der Anteil organischer Substanz im Boden sinkt, treten mehrere negative Effekte auf. Dazu gehören eine geringere Wasserspeicherfähigkeit, eine schlechtere Nährstoffverfügbarkeit, stärkere Erosion und Nährstoffauswaschung sowie ein Rückgang der Bodenbiodiversität. Zusammen schwächen diese Prozesse die Leistungsfähigkeit von Pflanzen und erhöhen ihre Anfälligkeit gegenüber Dürren oder Starkregen.
Nachhaltiges Bodenmanagement kann die Resilienz landwirtschaftlicher Systeme hingegen deutlich stärken. Die Bodenqualität gilt als einer der wichtigsten Faktoren für sowohl landwirtschaftliche Produktivität als auch Umweltleistung.
Bodengesundheit als Grundlage resilienter Landwirtschaft
Die Gesundheit eines Bodens hängt von einer Kombination aus chemischen, physikalischen und biologischen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem der Gehalt an organischer Substanz, ausgewogene Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, die Wasserverfügbarkeit sowie die biologische Aktivität von Bodenorganismen.
Sind diese Faktoren im Gleichgewicht, können Böden deutlich besser:
• Wasser während Trockenperioden speichern
• Starkregen aufnehmen
• langfristig stabiles Pflanzenwachstum unterstützen
Nachhaltiges Bodenmanagement sollte deshalb als langfristige Investition verstanden werden. Auch wenn bestimmte Maßnahmen kurzfristig Gewinne reduzieren können, steigern sie langfristig den wirtschaftlichen Wert landwirtschaftlicher Flächen, indem sie Bodenqualität und Produktivität erhalten.
Von maximalem Ertrag zu resilienten Agrarsystemen
Die Zukunft der Landwirtschaft wird nicht allein durch Rekordernten in idealen Jahren bestimmt. Entscheidend wird vielmehr sein, auch unter schwierigen Bedingungen eine stabile Produktion zu gewährleisten.
Der Klimawandel macht Wetterbedingungen zunehmend unberechenbar. Da Dürren intensiver werden und Starkregen häufiger auftreten, müssen landwirtschaftliche Systeme, die ursprünglich für stabile Bedingungen entwickelt wurden, angepasst werden.
Ein resilientes landwirtschaftliches System konzentriert sich typischerweise auf
• gesunde Böden
• vielfältige Fruchtfolgen
• eine effiziente Nutzung von Ressourcen
• langfristige Produktivität
Indem sich der Fokus vom maximalen Ertrag hin zur Ertragsresilienz verschiebt, kann sich die Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen und gleichzeitig eine wachsende Weltbevölkerung ernähren. Investitionen in Bodengesundheit und regenerative Praktiken zeigen einen Weg in diese Zukunft. Eine Zukunft, in der Landwirtschaft produktiv, resilient, nachhaltig und wirtschaftlich tragfähig ist.




