Der Aufstieg von Biochar: Eine neue Ära für die Bodengesundheit

Biochar verwandelt landwirtschaftliche Abfälle in eine wirkungsvolle Klimalösung. Es verbessert die Bodengesundheit, speichert Kohlenstoff über Jahrhunderte, spart Wasser und reduziert Emissionen – für eine nachhaltige Zukunft.

Biochar: Landwirtschaftliche Abfälle werden zur Klimalösung

Jedes Jahr werden Milliarden Tonnen landwirtschaftlicher Rückstände wie Erntereste, Reishülsen und sogar Abfälle aus der Forstwirtschaft verbrannt oder einfach sich selbst überlassen. Dabei gelangen große Mengen CO₂ und anderer Treibhausgase in die Atmosphäre. Gleichzeitig sind fast ein Drittel der Böden weltweit in unterschiedlichem Ausmaß degradiert, wodurch Ernährungssicherheit, biologische Vielfalt und die Lebensgrundlagen vieler Landwirte gefährdet sind.Was wäre, wenn landwirtschaftliche Rückstände nicht nur zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit beitragen, sondern auch über Hunderte von Jahren Kohlenstoff speichern könnten? Genau hier kommt Biochar ins Spiel: ein kohlenstoffreiches Material, das durch einen thermischen Zersetzungsprozess namens Pyrolyse entsteht. Dabei wird Biomasse unter Sauerstoffausschluss erhitzt. Im Gegensatz zu gewöhnlicher organischer Substanz, die sich zersetzt und dabei Kohlenstoff wieder an die Atmosphäre abgibt, ist Biochar besonders langlebig

Laut IPCC kann Biochar Jahrzehnte bis Jahrtausende im Boden verbleiben und zählt damit zu den wenigen wirksamen Technologien zur Kohlendioxidentnahme (CDR). Auch das weltweite Potenzial der Biochar-Technologie ist beachtlich. Nach Angaben des IPCC könnte Biochar bis 2050 jährlich etwa 0,3 bis 2 Gigatonnen (Gt) CO₂ aus der Atmosphäre binden. Neben seiner Rolle als Umwelttechnologie zur Eindämmung des Klimawandels bietet Biochar auch zahlreiche Anwendungen, die zur Verbesserung der Bodenqualität und zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft beitragen. 

Was genau ist Biochar?

Biochar ist ein stabiles und kohlenstoffreiches Material, das aus verschiedenen Formen organischer Biomasse hergestellt wird, darunter Ernterückstände, Reishülsen, Maisstängel, Holzspäne und forstwirtschaftliche Abfälle. Obwohl Biochar ähnlich wie Holzkohle aussieht, wird es gezielt zur Verbesserung der Bodenqualität und zur Kohlenstoffbindung hergestellt – und nicht als Energiequelle genutzt. Biochar entsteht durch einen Prozess namens Pyrolyse, bei dem Biomasse unter Sauerstoffarmut auf Temperaturen zwischen 400 und 700 °C erhitzt wird. Die Biomasse verbrennt dabei nicht zu Asche, sondern wird in Biochar, Bioöl und Synthesegas (Syngas) umgewandelt. Je nach verwendeter Biomasse und den Produktionsbedingungen werden etwa 30–50 % des in der Biomasse enthaltenen Kohlenstoffs im Biochar gespeichert. Dadurch gilt Biochar als eine vielversprechende Möglichkeit zur Kohlenstoffbindung. Laut IPCC gehört Biochar zu den vielversprechendsten Technologien zur Kohlendioxidentnahme (CDR), da der darin gebundene Kohlenstoff über Jahrhunderte und sogar Jahrtausende im Boden stabil bleiben kann. 

Warum ist Biochar ein Superheld für unseren Planeten? 

Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften von Biochar ist seine Fähigkeit, Kohlenstoff langfristig im Boden zu speichern. Ein großer Teil des in Ernterückständen enthaltenen Kohlenstoffs wird nach der Verbrennung oder Zersetzung wieder als CO₂ in die Atmosphäre freigesetzt. Durch die Pyrolyse wird ein großer Teil dieses Kohlenstoffs in eine stabile organische Form umgewandelt, die über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende im Boden verbleiben kann. Nach Angaben des European Biochar Certificate (EBC) bindet eine Tonne zertifizierten Biochars dauerhaft etwa 2,0–3,0 Tonnen CO₂-Äquivalente (CO₂e) – abhängig vom verwendeten Ausgangsmaterial und dem Herstellungsverfahren. Diese besondere Fähigkeit von Biochar zur Kohlenstoffspeicherung hat dazu beigetragen, dass es zu einer der am schnellsten wachsenden Technologien zur Kohlendioxidentnahme geworden ist. Aufgrund des zunehmenden Interesses an hochwertigen CO₂-Zertifikaten investieren mehrere Unternehmen, darunter Microsoft, JPMorgan Chase und Shopify, in Projekte zur Kohlenstoffentnahme durch Biochar

Die winzigen Poren im Biochar wirken wie ein Schwamm, der Wasser und Nährstoffe zurückhält, die sonst durch Auswaschung verloren, gehen könnten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Biochar auf Böden mit geringer Qualität die Pflanzenerträge um 10–30 % steigern und gleichzeitig die Wasserhaltefähigkeit des Bodens um 10–25 % erhöhen kann. Darüber hinaus kann Biochar das Wachstum von Bodenmikroorganismen fördern und die Effizienz der Nährstoffnutzung verbessern. Dadurch kann der Bedarf an synthetischen Düngemitteln reduziert und die Nährstoffauswaschung in Oberflächengewässer und das Grundwasser verringert werden.

Von landwirtschaftlichen Betrieben bis in die Städte: Überraschende moderne Anwendungen 

  • Vertikale Landwirtschaft: Biochar kann als Substrat in der Hydroponik und vertikalen Landwirtschaft eingesetzt werden. Es kann mehr Wasser und Nährstoffe speichern und dadurch den Wasserverbrauch reduzieren. 
  • Abwasserbehandlung: Modifizierter Biochar kann bis zu 96 % gefährlicher Schwermetalle, darunter Blei, Chrom und Arsen, aus industriellem Abwasser entfernen.
  • Nachhaltiges Bauen: Die Zugabe von 2–5 % Biochar zu Beton kann die Speicherung von etwa 115 kg CO₂ pro m³ ermöglichen und gleichzeitig die Wärmedämmung und Festigkeit verbessern.
  • CO₂-Zertifikate: Eine Tonne zertifizierten Biochars kann etwa 2.0–3.0 Tonnen CO₂-Äquivalente (CO₂e) dauerhaft binden und damit seinen kommerziellen Einsatz als Technologie zur Kohlendioxidentnahme unterstützen.
  • Management landwirtschaftlicher Abfälle: Biochar verwandelt landwirtschaftliche Abfälle wie Reishülsen, Weizenstroh und Maisstängel in einen wertvollen Bodenzusatz. Dadurch können Treibhausgasemissionen, Luftverschmutzung und das Verbrennen von Ernterückständen reduziert werden. 

Das große Ganze

Biochar zeigt beispielhaft, wie eine einzige Technologie dazu beitragen kann, mehrere Herausforderungen zu bewältigen, mit denen die Menschheit heute konfrontiert ist. Durch die Umwandlung von Abfällen in ein kohlenstoffreiches Material trägt Biochar dazu bei, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, die Bodengesundheit zu verbessern, Wasserressourcen zu schonen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Gleichzeitig erweitert der Einsatz von Biochar in Bereichen wie Abwasserbehandlung, Bauwesen und Kohlenstoffbindung seine Anwendungsmöglichkeiten erheblich. 

Da Länder bestrebt sind, Netto-Null-Emissionen zu erreichen und eine klimaresiliente Landwirtschaft zu fördern, zählt Biochar zu den vielversprechenden Lösungen für den Klimaschutz. Biochar zeigt, dass landwirtschaftliche Abfälle künftig in eine Klimalösung verwandelt werden können

References  

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