Die Stufen der regenerativen Landwirtschaft: Zeitverlauf und Wirkung
Regenerative Landwirtschaft ist eine schrittweise Transformation und keine einzelne Maßnahme. Auf Basis von Studien der DLG und von BCG-NABU erläutert dieser Artikel die Entwicklungsstufen und messbaren Vorteile für die Bodengesundheit, die Effizienz des Betriebsmitteleinsatzes und die langfristige Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe.

Schrittweise Transformation
Regenerative Landwirtschaft lässt sich am besten als schrittweise Transformation verstehen, nicht als fest umrissene historische Bewegung oder als einzelnes Maßnahmenpaket. Dieser Ansatz zielt darauf ab, Bodenfunktionen wiederherzustellen, die Leistungsfähigkeit von Ökosystemen zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe über die Zeit zu stärken.
Die Entwicklungsstufen der regenerativen Landwirtschaft
Betriebe entwickeln sich in der Regel von grundlegenden Maßnahmen zum Bodenschutz hin zu vielfältigen, biologisch gesteuerten Systemen. Quantitative Analysen zeigen, dass dieser Übergang die Betriebsmittelkosten senken, Erträge unter Extremwetterbedingungen stabilisieren und messbare ökologische Vorteile liefern kann. Regenerative Landwirtschaft entwickelt sich in aufeinander aufbauenden Stufen. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf und wird an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst.
Stufe 1: Den Ausgangspunkt verstehen
Der Übergang beginnt mit einer klaren Analyse des Bodenzustands, der Fruchtfolgen und des Einsatzes von Betriebsmitteln. Betriebe mit degradierten Böden sind häufig stärker auf Dünger und Pflanzenschutzmittel angewiesen, weshalb diese Bestandsaufnahme entscheidend ist, um Prioritäten und realistische Ziele festzulegen.
Stufe 2: Den Boden schützen und Störungen reduzieren
Die frühe Umsetzung konzentriert sich auf den Schutz der Bodenstruktur durch die Reduzierung intensiver Bodenbearbeitung und durch eine ganzjährige Bodenbedeckung mit Ernterückständen oder Zwischenfrüchten. Laut der BCG-NABU-Analyse kann eine verbesserte Bodenstruktur Erosion und Nährstoffverluste deutlich verringern und bildet damit die Grundlage für spätere biologische Verbesserungen.
Stufe 3: Vielfalt erhöhen und lebende Wurzeln fördern
Sobald sich die Bodenbedingungen stabilisieren, erweitern regenerative Systeme die Fruchtvielfalt und streben an, lebende Wurzeln über längere Zeiträume im Boden zu halten. Die DLG hebt hervor, dass vielfältige Fruchtfolgen die Bodenbiologie und den Nährstoffkreislauf unterstützen. Daten von BCG-NABU zeigen, dass diversifizierte Systeme die Wasserinfiltration und das Wasserspeichervermögen um etwa 10 bis 20 Prozent verbessern können, was die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit und Starkregen erhöht.
Stufe 4: Biologische Prozesse und Humusaufbau stärken
In dieser Phase stützt sich das Management zunehmend auf biologische Prozesse. Der Aufbau von organischer Bodensubstanz und mikrobieller Aktivität ermöglicht es Betrieben, den Einsatz synthetischer Betriebsmittel schrittweise zu reduzieren, sofern dies agronomisch sinnvoll ist. Schätzungen zufolge können regenerative Praktiken den organischen Kohlenstoff im Boden je nach Standortbedingungen um etwa 0,2 bis 0,5 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar und Jahr erhöhen.
Stufe 5: Optimierung des Gesamtsystems Betrieb
In fortgeschrittenen Stadien wird regenerative Landwirtschaft als integriertes Gesamtsystem geführt. Entscheidungen basieren auf kontinuierlicher Beobachtung und Anpassung statt auf starren Vorgaben. Laut BCG-NABU können Betriebe auf diesem Niveau ihre variablen Betriebsmittelkosten um 10 bis 25 Prozent senken, bei gleichzeitig stabilen Erträgen und verbesserter Widerstandsfähigkeit gegenüber klimabedingten Risiken.
Ökonomische Effekte der regenerativen Landwirtschaft
Nach der Analyse von BCG-NABU kann regenerative Landwirtschaft die Wirtschaftlichkeit von Betrieben deutlich verbessern, sobald sich die Praktiken eingespielt haben. Nach sechs bis zehn Jahren der Umsetzung von Maßnahmen der Stufen 1 und 2 können die Betriebsgewinne im Vergleich zu konventionellen Systemen um 60 Prozent oder mehr steigen. Diese Zuwächse werden vor allem durch geringere Betriebsmittelkosten, einen reduzierten Einsatz von Kraftstoff und Arbeitszeit sowie durch stabilere Erträge erzielt. Allein pfluglose Bewirtschaftung kann die Gewinne um rund 25 Prozent erhöhen, während die Kombination grundlegender regenerativer Maßnahmen zu Gewinnsteigerungen von 40 Prozent oder mehr führen kann, teilweise unterstützt durch Einnahmen aus CO₂-Zertifikaten, sofern verfügbar. Die Integration von Leguminosen in Fruchtfolgen kann etwa 60 Kilogramm Stickstoff pro Hektar einsparen, was einem Düngerwert von rund 115 Euro pro Hektar und Jahr entspricht. Regenerative Praktiken senken zudem das wirtschaftliche Risiko. Während der Dürre im Jahr 2018 gingen die Weizenerträge in Deutschland um etwa 16 Prozent zurück. BCG-NABU schätzt, dass regenerative Maßnahmen der Stufe 1 solche Ertragsverluste um rund 30 Prozent reduzieren können und damit die Widerstandsfähigkeit gegenüber zunehmend häufigen Extremwetterereignissen erhöhen.
Wie lange dauert die Umstellung?
Weder die DLG noch BCG-NABU legen einen festen Zeitrahmen fest. Beide weisen jedoch darauf hin, dass sich regenerative Landwirtschaft über mehrere Jahre entwickelt. Erste Verbesserungen der Bodenstruktur zeigen sich häufig innerhalb von ein bis drei Jahren, während messbare Zuwächse an organischer Bodensubstanz und System Resilienz in der Regel fünf Jahre oder mehr erfordern. Regenerative Landwirtschaft ist daher am besten als kontinuierlicher Verbesserungsprozess zu verstehen, nicht als Endzustand. Wenn Sie mehr über Fakten und Mythen der regenerativen Landwirtschaft erfahren möchten, lesen Sie unseren vorherigen Blogartikel: Regenerative Landwirtschaft: Mythen, Fakten und warum Europa sie braucht.





